Unterbewusst trainieren. Mentaltechniken

Der deutsche Mentaltrainermarkt ist – genau wie das Portfolio der angewendeten Methoden – schier unüberschaubar. Gleichzeitig steht die Kraft der Gedanken hoch im Kurs und immer mehr Coachs und Trainer setzen auf Mentaltrainingstechniken. Nachfolgender Artikel gibt einen komprimierten Überblick über die gängigsten Verfahren und bietet damit einen kurzweiligen Einstieg in die Thematik.

29.04.2009
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Selbstmanagement

1. Wer?, Wann?, Wo?

«Unterbewusst trainieren. Mentaltechniken», erschienen in: managerSeminare – Das Weiterbildungsmagazin, Heft 134, Mai 2009, S. 26-34. 2.

 

2. Woher?, Wohin?, Warum?

Das Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe von managerSeminare beschäftigt sich mit Mentaltraining, das von immer mehr Trainern und Coachs zur Leistungssteigerung, zur Umsetzung von Zielen oder zum Stressabbau eingesetzt wird. Hinter der Begrifflichkeit verbirgt sich eine Auswahl verschiedender Mentaltechniken, also eine Anzahl unterschiedlicher Methoden, die je nach Präferenz des Trainers und Ausgangssituation in Variationen angewendet werden. Nachfolgend wird ein Einblick in die populärsten Anwendungstechniken gegeben.

 

3. Was?, Wie?, Welche Ergebnisse?

Entspannungstechniken Grundlegende Voraussetzung für mentales Training ist ein Zustand der geistigen und körperlichen Entspannung, der sogenannte Alpha-Zustand bei dem die Gehirnfrequenz zwischen acht und zwölf Hertz liegt. Zum Vergleich: Im Beta-Zustand, also dem Modus voller Konzentration, liegt die Gehirnfrequenz zwischen 13 und 30 Hertz. Das Besondere am Alpha-Zustand ist, dass das Unterbewusste leicht zugänglich ist. Um den Grundzustand völliger Entspannung zu erreichen gibt es wiederum verschiedene unterstützende Methoden.Rückwärtszählen: Es wird von 100 oder 50 langsam rückwärts gezählt wobei sich jede Zahl bildlich vor dem geistigen Auge vorgestellt wird. Von Zahl zu Zahl lässt sich der Teilnehmer tiefer sinken und entspannt zunehmens.Reise durch den Körper: In Gedanken reist der Teilnehmer vom Fuß beginnend durch seinen Körper und entspannt einen Teil nach dem anderen. Um den Alpha-Zustand zu erreichen wird besonderer Wert auf die Entspannung der Augenlieder gelegt.Visualisierungen Mit der Visualisierungstechnik holt sich der Teilnehmer im Alpha-Zustand eine gewünschte Situation vor das geistige Auge. Das kann beispielsweise das Halten einer souveränen Rede oder das entspannte Schreiben einer Prüfung sein. Tritt die vorab imaginierte Situation dann ein, wird sich unterbewusst an die visuelle Erfahrung erinnert und positive Gefühle, die zuvor mit der Situation verknüpft wurden, werden aktiviert. Diese Emotionen wirken dann unterstützend in der tatsächlichen Situation.Suggestion Suggestionen sind Botschaften für das Unterbewusste wobei zwischen Autosuggestionen und Fremdsuggestionen, letztere in der Regel eingegeben durch den Trainer, unterschieden wird. Ähnlich wie bei der Visualisierung geht es um die Verfestigung positiver Gedanken im Unterbewussten. Suggestionen formulieren: Für die Formulierung empfiehlt es sich auf Kürze und Prägnanz zu achten, die Gegenwartsform zu verwenden und die Sätze positiv zu formulieren. Beispielsweise: "Ich meistere den Auftritt" oder "Ich bestehe die Prüfung".Suggestionen implementieren: Die Suggestionen sollten, im Idealfall im Zustand der Entspannung, ähnlich einem Mantra halblaut vor sich hingemurmelt werden. Ein gleichbleibender Sprechrhythmus und eine Verknüpfung mit positiven Gefühlen wirken unterstützend.Ankern Die Technik des Ankerns hat ihren Ursprung in der Neurolinguistischen Programmierung. Gefühle werden mit Gesten, Wörtern oder Bildern verknüpft um sie über diese Anker auf Wunsch abrufbar zu machen.Einen Anker erstellen: Um einen Anker zu setzen muss der Teilnehmer zuerst in den mentalen Zustand gelangen, den er dann auch später wieder abrufen möchte. Meistens wird dazu eine vergangene Lebenssituation erinnert, in der man sich in dem gewünschten Zustand befand. Beispielsweise Situationen, in denen man sich als sehr selbstbewusst wahrgenommen hatte. In einem zweiten Schritt malt der Teilnehmer sich die Situation vor seinem geistigen Auge möglichst detailgetreu aus. Er versucht wieder zu empfinden, was er einst in der spezifischen Situation empfunden hatte. Wenn das Gefühl am stärksten ist, wird der sogenannte Anker in Form von Worten oder Gesten gesetzt. Wichtig ist dabei deren Eindeutigkeit wie beispielsweise das Berühren des Daumens mit zwei Fingern der gleichen Hand.Die Wirksamkeit des Ankers prüfen: Für eine Überprüfung des Ankers lässt der Teilnehmer die Gedanken schweifen und löst sich in einem ersten Schritt wieder von den Gefühlen des Ankers. Dann löst er in einem zweiten Schritt den Anker aus und überprüft, ob die verankerten Gefühle sich wieder einstellen. Treten die Gefühle ein, also funktioniert der Anker, kann dieser unter herausforderenden Umständen getestet werden. Dazu ruft sich der Teilnehmer in einem ersten Schritt eine Situation ins Gedächtnis, in der er sich unsicher oder ängstlich fühlte. In einem zweiten Schritt wird dann in dieser Gefühlssituation der Anker ausgelöst und es wird überprüft, ob sich wieder die verknüpften positiven Gefühle einstellen. Empfohlen wird eine mehrfache Wiederholung des Ankersetzens um ihn nachhaltig zu manifestieren.

 

4. Für wen?, Unter welchen Bedingungen?

Der Artikel gibt einen interessanten Überblick möglicher methodischer Variationen des Mentaltrainings. Damit eignet er sich in erster Linie – losgelöst von einer speziell adressierten Personengruppe – für einen ersten Einstieg in die Thematik.

 

5. Wie einzuschätzen?

Mittlerweile gibt es in Deutschland 25.000 bis 35.000 Personen die unter dem Label Mentaltrainer oder Mentalcoach arbeiten denn: der Berufstitel ist nicht geschützt. Zusätzlich verfügt nach der Aussage von Andreas Zimmermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mentaltraining, nur jeder zehnte bis fünfzehnte Mentaltrainer über das Know-How, das für einen verantwortlichen Umgang mit Klienten notwendig ist. Umso wichtiger erscheint eine Recherche über Hintergründe und Techniken des Mentaltrainings im Vorlauf einer Konsultation entsprechender Berater. Hier leistet der Artikel mit seiner Skizze gängiger Methoden einen ersten Beitrag.Weiterführende 

Literatur:

Simon-Adorf, Ute: Mentaltraining in Frage und Antwort; Junfermann, Paderborn 2009.

Herrmann, Hans-Dieter; Mayer, Jan: Mentales Training – Grundlagen und Anwendung in Sport, Rehabilitation, Arbeit und Wirtschaft, Springer-Berlag, Berlin 2009.

Deutsche Gesellschaft für mentales Training (DGMT e.V.): www.dgmt.de Mentalcollege Bregenz: www.mentalcollege.com