Kostenfaktor Arbeitssucht

Arbeitnehmende sprechen viel über die Hektik und die hohen Anforderungen im Arbeitsleben. Die krankhafte Arbeitssucht wird in der Öffentlichkeit jedoch wenig thematisiert. Doch Arbeitssucht stellt ein ernstzunehmendes unternehmerisches Risiko dar. Ein Praxisbeispiel zeigt, dass ein arbeitssüchtiger Vorgesetzter zwei Versetzungen, drei Stellenbesetzungsverfahren aufgrund von Kündigungen, motivationsbedingte Personalgespräche sowie die Kosten von Fehlzeiten zu verschulden hatte. Damit wurde ein monetärer Schaden von ca. 200 000 Euro verursacht. Hinzu kommt ein verheerender Verlust von 1,4 Personenjahren an Zeitvolumen, Zeit in der nicht produktiv für das Unternehmen gearbeitet wird.

31.10.2006
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Personaleinsatz

1. Wer, Wann, Wo ?

Dr. Ulrike Emma Meissner, Prokuristin in der Personalabteilung eines norddeutschen Finanzinstituts in Bremen und freiberufliche Dozentin und Personalberaterin, hat folgenden Artikel verfasst:

  • Meissner, Ulrike Emma (2006): Kostenfaktor Arbeitssucht. In: Personalwirtschaft, 33. Jg. 2006, Nr. 6, S. 33-36

2. Woher, Wohin, Warum ?

Workaholicist das englische Synonym für Arbeitssucht über welches in der Öffentlichkeit in der Regel scherzhaft, fast stolz darüber gesprochen wird. Die Möglichkeit, dass Arbeit krank machen kann, ist gesellschaftlich nicht akzeptiert, da das Klagen über die permanent steigende Arbeitsbelastung zum guten Ton gehört.

Ein Personalrisikomanagement kann helfen, Anzeichen von Arbeitssucht früh zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln.

Arbeitssüchtige können langfristig gesehen einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden für die Unternehmung verursachen. Kollegen und Mitarbeiter leiden, die Arbeitsqualität sinkt und Fehlentscheidungen treten auf.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

"Der Grat zwischen dem veränderten Arbeitsverhalten aufgrund gesellschaftlicher Weiterentwicklung und krankhafter Übersteuerung wird schmaler und immer häufiger überschritten." (Seite 33). Folgen können Schlafprobleme, permanente Kopfschmerzen, Erschöpfung, Bluthochdruck, Angstzustände oder Depressionen sein.

"Die fortschreitenden technischen Möglichkeiten und arbeitsorganisatorischen Veränderungen tragen dazu bei, dass die Abgrenzung zwischen Beruf und Freizeit divergiert. Bildschirmarbeit zu Hause, ständige Erreichbarkeit über das Mobiltelefon oder Internet, flexible Arbeitszeiten und Delegation von unternehmerischer Verantwortung auf die Arbeitnehmer et cetera können Arbeitssucht fördern." (Seite 33 f.)

Der Artikel unterscheidet drei Arten von Risikopotenzialen:

  • Risikopotenziale für das Unternehmen:Arbeitsprozesse werden verzögert, da ein Arbeitssüchtiger sich dauernd zwanghaft von der Arbeit getrieben fühlt und deshalb ständig in Eile ist und es ihm schwer fällt Termine einzuhalten. Oft werden auch Synergieeffekte nicht genutzt, weil Arbeitssüchtige einen perfektionistischen Anspruch haben, der Teamarbeit zusätzlich erschwert.
  • Risikopotenziale in Bezug auf Kollegen:Um sich dem negativen Umfeld eines Arbeitssüchtigen zu entziehen, besteht ein erhöhtes Risiko von Fluktuationen. Unterstellte von arbeitssüchtigen Vorgesetzten sind häufiger krank aufgrund des erhöhten Leistungsanspruchs.
  • Risikopotenziale in Bezug auf den Arbeitssüchtigen:Durch Ungeduld, hektischen Arbeitsstil, mangelnde Gründlichkeit, fehlenden Überblick und plötzliche Arbeitsanfällen kann es zu Fehlentscheidungen kommen.

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Der Artikel zeigt die Symptome und die wirtschaftlichen Gefahren von Arbeitssucht auf. Er bietet insbesondere in der Personalführung einen wertvollen Einblick in die Thematik.

5. Wie einzuschätzen ?

Der Artikel schildert die Entstehung von Arbeitssucht, die möglichen wirtschaftlichen Schäden und zeigt an einem Praxisbeispiel eindrücklich, welche verheerenden Konsequenzen ein arbeitssüchtiger Vorgesetzter haben kann.