Buchvorschlag: Die Kunst, weniger zu arbeiten

Das Hamsterrad der Arbeitswelt dreht sich immer schneller, doch ein Vorwärtskommen ist damit leider unmöglich. Für all jene, die dies ähnlich empfinden, haben Axel Braig und Ulrich Renz ein lesenswertes Buch zur Reflexion unserer Arbeitsroutinen geschrieben: "Die Kunst, weniger zu arbeiten"

13.05.2003
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1. Wer?, Wann?, Wo?

Autoren: - Axel Braig , Orchestermusiker und Arzt - Ulrich Renz , Mediziner, Autor medizinischer Fachbücher, Geschäftsführer verschiedener medizinischer Fachverlage und seit 1998 freier Autor. Das Buch hat 219 Seiten und ist im Argon Verlag 2001 erschienen - ISBN: 3870245417

2. Woher?, Wohin?, Warum?

Dieses Buch hinterfragt die Arbeit als Dreh- und Angelpunkt der westlichen Gesellschaft. Die Autoren möchten „Mut machen, ein neues Gleichgewicht zu entdecken, zwischen effektivem Tätigsein und der verlorenen Dimension – der Muße.“ (S. 18)

3. Was ?, Wie?, Welche Ergebnisse?

In teils autobiographischen Ausflügen - die Autoren haben sich als "Männer in den besten Jahren" aus dem klassischen Arbeitsleben verabschiedet -, teils jedoch auch fundiert recherchiert, wird der Arbeitswahn kritisch in Frage gestellt. Zuerst machen Braig / Renz eine Bestandsaufnahme der Stellung von Arbeit in unserer Gesellschaft, beleuchten dann deren Schattenseiten und räumen mit drei von ihnen postulierten Mythen der Arbeit auf (S. 78): Mythos 1: „Nur in der Arbeit können wir uns selbst verwirklichen.“ Mythos 2: „Erst Arbeit macht uns zu vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft.“ Mythos 3: „Arbeit gibt Sicherheit – nicht nur im materiellen, sonder auch in einem tieferen existenziellen Sinn.“ Nach einem Streifzug über die Arbeit von der Antike bis zur Gegenwart, kommen die Autoren zu dem Schluss, dass „das Ende der Arbeit und ihre wahnsinnige Zukunft“ (S. 129) eingeläutet ist. Zur Verdeutlichung werden schlaglichtartig Probleme wie Arbeitslosigkeit, Dienstleistungsrevolution, Arbeitsmarktpolitik, Neoliberalisierung usw. thematisiert, mit dem Resümee: „An der Tatsache, dass die moderne Wirtschaft immer weniger Menschen braucht, führt kein Weg vorbei“ (S. 150), um dann die Frage aufzuwerfen: „Wozu brauchen wir Arbeit, wenn die Arbeit uns nicht braucht?“ (S. 151) Die Antwort von Axel Braig und Ulrich Renz lautet: „Weniger arbeit, mehr leben“ (S. 153). Nicht gleichbedeutend mit einem Leben im Nichtstun, sondern einem Leben, das immer wieder ernsthaft reflektiert: „Wieviel Arbeit brauche ich?“ Und die Autoren liefern die Umsetzung gleich mit, indem sie die vergessene „Lebenskunst“ des Privatiers und Müßiggängers wieder aktivieren und als Alternative Denkhaltung anbieten.

4. Für wen?, Unter welchen Bedingungen?

Dieses Buch regt mit originellen, historischen Beispielen und zahlreichen aktuellen, provozierenden Thesen denjenigen an, der bereit ist, über altbekannte Grenzen hinaus zu denken. Jedoch sollte man dieses Buch mehr als Reflexionshilfe verstehen, denn als wirkliches Rezept zum Ausbruch aus der Arbeitsgesellschaft, denn dazu bleiben zu viele Fragen nach dem „wie“ noch offen.

5. Wie einzuschätzen ?

Ein amüsantes, schnell zu lesendes Buch, für all jene, die im Hamsterrad ihrer Arbeit ein ungutes Gefühl beschleicht und die bereit für die Erkenntnis sind, dass nur wir selbst uns den Regeln unserer Arbeitskultur unterwerfen.