Vermittlung von Führungskompetenz mit Blended Learning

Organisatorische Umstrukturierungen und strategische Neuausrichtungen führten beim Bayer-Konzern dazu, dass ein Lernprogramm zum Thema Führungskompetenz entwickelt wurde. Damit soll eine gemeinsame Führungskultur aufgebaut und die internationale Vernetzung gefördert werden. Mit herkömmlichen Lernformen alleine lässt sich dies nicht gewährleisten. Ein integrativer Ansatz der Wissensvermittlung wird von den Autoren empfohlen. Der Artikel stellt das Lernprogramm detailliert vor und enthält eine Evaluation der Einführungsphase.

05.07.2006
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Personalentwicklung

1. Wer, Wann, Wo ?

Dieter Blum, Diplomökonom, Leiter des Projekts "BayWay – Learn to Lead" bei der Bayer Industrie GmbH & Co. OHG / Bildung in Leverkusen, und Marit Alke, MBA, Tutorin im Projekt, haben folgenden Artikel verfasst:

  • Blum, Dieter/Alke, Marit (2005): Vermittlung von Führungskompetenz mit Blended Learning. Aktives Tutoring ist ein Erfolgsfaktor des Führungskräfteprogramms "BayWay – Learn to Lead", Personalführung Nr. 10/2005, S. 34-42

2. Woher, Wohin, Warum ?

In der Vergangenheit hat der Bayer-Konzern umfassende organisatorische Umstrukturierungen und strategische Neuausrichtungen erlebt.

Das stellte die Führungskräfte, die diesen Wandel tragen und in die Praxis umsetzen müssen, vor besondere Herausforderungen.

Deshalb war die Etablierung eines einheitlichen Führungsverständnisses von grosser Bedeutung. Mit einem Programm für Führungsnachwuchskräfte sollten zum einen eine gemeinsame Führungskultur aufgebaut und zum anderen individuelle Führungskompetenzen gefördert werden.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Das gesamte Programm ist auf zwei grosse Ziele ausgerichtet. Einerseits soll der Managementnachwuchs individuelle Führungsfähigkeiten entwickeln und andererseits soll die Netzwerkbildung der Teilnehmer untereinander gefördert und somit eine gemeinsame Führungskultur geschaffen werden.

Das Programm "BayWay – Learn to Lead" baut auf drei Phasen auf:

  • Knowledge Building:Erweiterung des Wissens und Aufbau eines länder- und bereichsübergreifenden Netzwerkes durch die Methoden des modularen E-Learnings, Self-Assessments und international besetzten "Core Teams".
  • Learning Lab:Eine einwöchige Präsenzveranstaltung mit Workshops. Die Jungmanager setzen sich intensiv mit Führungsfragen auseinander. Führungsverhalten, -rollen und -techniken können erprobt und diskutiert werden.
  • Action Learning:Umsetzung des individuellen Aktionsplans in die Praxis. Praktische Anwendung des Gelernten. Auf der Teamebene arbeiten die internationalen Teams an Praxisfällen, die von erfahrenen Managern in den Betrieb eingebracht und betreut werden. Die Ergebnisse werden abschliessend an einem BayWay-Kongress vorgestellt und diskutiert.

Die Manager bewerteten die Umsetzung der Lerninhalte in die Praxis sehr positiv. 70 Prozent gaben an, sie seien sensibler bezüglich kultureller Unterschiede geworden. Weniger zufrieden war rund die Hälfte der Befragten mit der virtuellen Zusammenarbeit in den Core Teams. Teilweise schwer realisierbare Terminvereinbarungen und die gemeinsame Lösung der Aufgaben führten z.T. zu Schwierigkeiten. Grundsätzlich wird die Einführung des Programms aber sehr begrüsst und in den folgenden Jahren laufend weiterentwickelt.

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Der Artikel ermöglicht einen Einblick in die Realität des Blended Learnings und in das Lernprogramm des Bayer-Konzerns. Er bietet damit Praktikern und wissenschaftlich interessierten Personalentwicklern einen Einstieg.

5. Wie einzuschätzen ?

Der klar strukturierte Artikel erläutert im ersten Teil die Zielsetzungen des Lernprogramms. In einem zweiten Teil beschreiben die Autoren die einzelnen Phasen und geben Kommentare zur Umsetzung. Abschliessend erfolgt eine Bewertung der Pilotphase und es werden Weiterentwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt.