Das wahre Ich entwickeln - Identität im Job

Der moderne Mitarbeiter ist heutzutage einer nahezu permanenten Feedbackflut ausgesetzt. Die Folge davon: Wir verlieren uns mehr und mehr selbst aus dem Blick. Der Beitrag zeit Hintergründe und Auswirkungen dieser Entwicklung auf.

25.07.2010
Übermittlung Ihrer Stimme...
1 2 3 4 5
10437x angezeigt
Management, Management- und Führungskompetenzen, Selbstmanagement, Personalerhaltung und -motivation

1. Wer, Wann, Wo ?

 

erschienen in managerSeminare. Das Weiterbildungsmagazin, Heft 148, Juli 2010, S. 40-45, Autor: Andree  Martens

 

2. Woher, Wohin, Warum ? 

 

Das heutige Arbeitsleben stellt große Herausforderungen an die Arbeitnehmer. Die Anforderungsprofile der Unternehmen in Stellenanzeigen und auch im Job selber sind seitenlang und komplex. Lange gingen Experten wie Psychologen als auch Soziologen von der Annahme aus, dass diese Anforderungen von Beschäftigten lediglich als Regieanweisung verstanden würden. Neuere Erkenntnisse zeigen jedoch, dass sie sich auf die Identität des Einzelnen auswirken. Inwieweit dies Auswirkungen auf Unternehmen und Arbeitnehmer hat zeigt der vorliegende Beitrag. 

 

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

 

In heutigen Zeiten werden Beschäftigte immer mehr stetigen Anforderungen ausgesetzt. Nicht nur zu Beginn des Arbeitsverhältnisses in Form von Anforderungsprofilen die es zu erfüllen gilt, sondern auch in permanenten Feedback- und Beurteilungsrunden die in regelmäßigen Abständen die Einschätzung über sich selbst von unterschiedlichen Seiten einholt. Sicherlich hat das einen gewissen motivierenden Effekt, das mag auch die Hauptintention dieser Tools sein, doch es stellen sich, nach neueren Erkenntnissen auch nicht zu unterschätzende negative Effekte ein.

So lassen psychologische Erkenntnisse erkennen, dass Menschen dazu neigen ihr Selbstkonzept, d.h. ihre Identität, an vorgegebenen Idealen auszurichten. So geriert das Vorbild, bspw. der eigene Chef oder der erfolgreiche Kollege, zum Ideal dem nachgeeifert wird und dessen Persönlichkeitsmerkmale nach einer gewissen Zeit sich selbst zugeschrieben werden. Ein weiterer Faktor der zur Verzerrung der eigenen Identität führt ist die Feedbackflut, die sich über den modernen Mitarbeiter ergießt. Den Rückmeldungen und dem so entworfene Spiegelbild wird eine hohe Bedeutung beigemessen, werden aber kaum noch kritisch hinterfragt und irgendwann als Realität wahrgenommen.

Die Gefahr die hierin liegt ist nicht zu unterschätzen. Dr. Thomas Müller-Holthusen, Chefarzt der Abteilung für Psychosomatik an der Reha-Klinik Möhnesee stellt fest, dass solche Kakofonien in der Identität sich nicht nur emotional, wie bspw. in einer Aversion gegen die Arbeit äußern, sondern auch körperlich zum Ausdruck kommen. Schwindel und Kopfschmerzen nennt er als typische Symptome. Desweiteren können besonders stark ausgeprägte Dissonanzen der tatsächlichen Identität und des kreierten Selbstbildes zu schwerwiegenden psychischen Störungen führen.

Aber nicht nur aufgrund dieser persönlichen negativen Effekte für den Einzelnen sondern auch für das Wohl des Unternehmens ist es sinnvoll diesem Phänomen Aufmerksamkeit zu widmen und ihm entgegenzuwirken.

Der Talentmanagement-Experte Rolf Rüttinger weist in dem Beitrag darauf hin, dass ausgesprochen detaillierte Unternehmensstandards und dementsprechende Anforderungsprofile dazu führen, dass Unternehmen quasi ihre Mitarbeiter klonen und sich den Weg zu einer gesunden Diversität versperren. Diese kann in absehbarer Zeit notwendig und ein Wettbewerbsvorteil sein. Denn gerade in der heutigen dynamischen und komplexen Welt kann man nie wissen, welche Fähigkeiten morgen gebraucht werden. 

 

4. Für Wen, unter Welchen Bedingungen ?

 

Der vorliegende Artikel ist für alle Mitarbeiter und Führungskräfte empfehlenswert, die den Stellenwert des Einzelnen im Unternehmen sehen und individuelle Potentiale fördern möchten. Auch im Rahmen der Reflexion für jeden Betroffenen stellt der Beitrag einen interessanten Anreiz dar. 

 

5. Wie einzuschätzen ?

 

Der Artikel ist gut lesbar und mit interessanten Beiträgen von verschiedenen Experten ergänzt. Allerdings stellt er nur mehr eine Einführung in diese interessante Thematik dar. Allerdings werden einige Literaturtipps gegeben.