Buchrezension zu Tippe, A.: „Veränderung stabilisieren“, Heidelberg 2008

Andrea Tippe widmet sich mit ihrem Buch der Fragestellung, inwiefern sich Teamentwicklung stabilisierend auf Organisationsentwicklungsprozesse auswirken kann.

19.09.2010
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Change Management, Organisationsentwicklung, Personalentwicklung

1. Wer, Wann, Wo ?

Andrea Tippe: Veränderung stabilisieren. Strategische Teamentwicklung als Führungsaufgabe zur Stabilisierung von Organisationsentwicklungsprozessen. Carl-Auer, Heidelberg 2008, 96 Seiten, 16,95 Euro.

Dipl. Psychologe Michael Berger ist als Berater bei der ibo Beratung und Training GmbH, Wettenberg, tätig. Seine Schwerpunkte sind Kommunikation, Konfliktmanagement, Workshopgestaltung, Veränderungsmanagement sowie Coaching von Führungskräften. Kontakt: michael.berger(at)ibo.de.

2. Woher, Wohin, Warum ?

Andrea Tippe beleuchtet in ihrem Buch die Zusammenhänge zwischen Teamentwicklung und Organisationsentwicklung und widmet sich der Frage, inwiefern sich Teamentwicklung stabilisierend auf Organisationsentwicklungsprozesse auswirken kann. Das Buch hat insgesamt einen wissenschaftlich-theoretischen Ansatz und wendet sich somit eher an wissenschaftlich interessierte bzw. forschende Fachleute.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Tippe liefert dem Leser zunächst einen ausführlichen Überblick über die Grundlagen der Organisationsentwicklung – u.a. kommen die bekannten Vordenker Kurt Lewin, Edgar H. Schein und Chris Argyris zu Wort. Um der o.g. Fragestellung auf die Spur zu kommen, führte Tippe Befragungen von Führungskräften durch. Das Ergebnis: Teamentwicklung kann sich durchaus stabilisierend auf OE-Prozesse auswirken, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Enttäuschender Weise fördert die Autorin nur bereits bekannte Erfolgsfaktoren zutage: Zielklarheit, Klärung von Rollen, die Beziehungsebene der Beteiligten etc. Schließlich macht Tippe auch Vorschläge für OE-Maßnahmen und Teamentwicklungs-Workshops, die zu Stabilität beitragen sollen. Entgegen ihres systemischen Anspruchs baut ihre Konzeption meiner Ansicht nach aber eher auf einem herkömmlichen linear-kausalen Denken auf: Vom Problem über die Diagnose oder Analyse zur Maßnahme und Kontrolle. Auch deshalb bleibt als Fazit leider nur der Schluss: Für Praktiker nichts Neues an der Forschungsfront.

4. Für Wen, unter Welchen Bedingungen ?

Dieses Buch richtet sich an wissenschaftlich interessierte Leser, die sich mit dem Fokus auf Teamentwicklung vertiefend mit den theoretischen Grundlagen von Organisationsentwicklung befassen möchten. Kein Buch für Einsteiger, sondern für Experten.

5. Wie einzuschätzen ?

Obwohl es sich um ein Buch mit explizit wissenschaftlichem Anspruch handelt, ist die Informationsdichte nicht zu hoch. Eher wiederholen sich Stichworte, Themen und Fachbegriffe.

Leider überwiegt eine „Textwüste“, die lediglich durch Absätze und kursive Schreibweise unterbrochen wird. Es gibt wenige Abbildungen, die dazu auch noch wenig leserfreundlich gestaltet sind.

Die Gliederung ist nachvollziehbar. Ein Querlesen erscheint allerdings kaum möglich.

Für Wissenschaftler und Experten geschrieben, die mit dem Fachvokabular vertraut sind. Für Laien – und damit Führungskräften und Mitarbeitern in Organisationen – werden die Darlegungen schwieriger zu verstehen sein.

Fazit: Weder die von Tippe vorgestellten Theorien noch ihre Praxistipps sind grundsätzlich neu. Das Buch bietet damit Praktikern nur bedingt neue Handlungsoptionen.