Die Neuerfindung des Kapitalismus - Shared Value

Die Wirtschaft und Unternehmen haben ein Problem. Die Gesellschaft, ihre Kunden und Politiker sind nicht von ihrem gesellschaftlichen Beitrag überzeugt und oktroyieren ihnen Maßnahmen in Form von Vorschriften auf, die Wachstum behindern. Die Lösung liegt in einem Prinzip namens Shared Value, das Unternehmen neuen Sinn und gleichzeitig neue Chancen eröffnet.

15.02.2011
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Management, Managementperspektiven, Managementtrends, Strategisches Management

1. Wer?, Wann?, Wo?

 

erschienen in Harvard Business Manager. 33. Jahrgang, Februar 2011, S. 59-75,

Autoren: Michael E. Porter und Mark R. Kramer

Michael E. Porter ist Bishop-William-Lawrence-University-Professor an der Harvard University.

Mark R. Kramer ist zusammen mit Porter Gründer von FSG, einem Beratungsunternehmen für globale gesellschaftliche Fragen und fungiert als sein Geschäftsführer. Außerdem ist er Senior Fellow der CSR-Initiative an der Kennedy School of Government in Harvard.

2. Woher?, Wohin?, Warum?

In so gut wie allen Teilen der Welt steht der Kapitalismus, so wie wir ihn kennen regelmäßig in Kritik. Immer öfter entsteht der Eindruck, dass sich Unternehmen auf Kosten der Gesellschaft bereichern und nicht unerheblich an sozialen, ökologischen und ökonomischen Problemen beteiligt sind. Es scheint an der Zeit und dringend notwendig, dass sich Wirtschaft und Gesellschaft wieder annähern und ihr Zusammenhängen erkennen. Das Prinzip des Shared Value will dies leisten. Dabei geht es darum wirtschaftlichen Wert auf eine Weise zu schaffen, die zugleich auch Wert für die Gesellschaft schafft.  

3. Was?, Wie?, Welche Ergebnisse?

 

Die Autoren zeigen in ihrem Beitrag die notwendige und teilweise bereits auch schon stattfindende Wandlung unseres heutigen Bildes von Kapitalismus hin zu einer neuen Form. In der althergebrachten Form ist der gesellschaftliche Beitrag von Unternehmen die Schaffung und Stützung von Arbeitsstellen, Löhnen, Käufen, Steuern und Investitionen durch die Erwirtschaftung von Gewinnen. Heute noch ist dies die Sicht der überwiegenden Mehrheit. Darüber hinausgehende gesellschaftliche Aufgaben werden durch Corporate Social Responsibility wahrgenommen und meist als losgelöst vom eigentlichen Geschäft betrachtet.

Die Idee des Shared Value als neue, höhere Form des Kapitalismus, dagegen sieht eine Kopplung zwischen Gesellschaft und Unternehmen und stellt diese Beziehung als Werttreiber in den Mittelpunkt der Betrachtung. Nicht kurzfristige Gewinne, sondern Gewinne die auch einem gesellschaftlichen Zweck dienen und so zu einer schnelleren und besseren Entwicklung der Gesellschaft und damit einem stärkeren Wachstum der Unternehmen beitragen, sind das Ziel.   

Als Stellhebel für die Generierung von Shared Value werden im Beitrag drei Möglichkeiten genannt und mit Beispielen beschrieben. Diese drei Stellhebel werden von den Autoren benannt als: Ein neues Verständnis von Produkten und Märkten, ein neues Verständnis von Produktivität sowie den Aufbau von lokalen Clustern.

Darüber hinaus weisen die Autoren auch auf die notwendigen Veränderungen in Unternehmen sowie in der Gesellschaft hin, um das Ziel des Shared Value erreichen zu können. Sie fordern ein Umdenken, vor allem in den Bildungsinstitutionen die die Führungskräfte von morgen ausbilden. Die gesamtgesellschaftliche Einbettung von Unternehmen in  die Gesellschaft wird damit klar hervorgehoben.

 

 4. Für wen?, Unter welchen Bedingungen?

Der Beitrag gibt einen umfassenden und guten ersten Einblick in das Konzept des Shared Value und zeigt dessen Möglichkeiten auf. Er ist für Führungskräfte interessant, die den Blick über den Tellerrand des kurzfristigen Gewinnstrebens wagen wollen und ein echtes Interesse an wirtschaftlicher und sozialer Nachhaltigkeit sowie Verantwortung haben.

 

  5. Wie einzuschätzen?

 Ein interessanter Artikel, der eine für das Management ungewohnte Thematik aufwirft und einen sinnvollen Umgang damit aufzeigt. Die leicht lesbare Aufbereitung gespickt mit zahlreichen prägnanten Beispielen und zusätzlichen Informationskästen bieten eine erste verständliche und umfassende Information zu der Thematik.