Systematisch zum Selbst - Zwänge erkennen

Unsere heutige Welt besteht, oft ohne dass wir es bemerken, aus einer Vielzahl von Zwängen. Sich von diesen zu befreien ist ein notwendiger Schritt, um zufrieden, selbstbewusst und damit auch erfolgreich sein zu können. Der Beitrag zeigt die Zusammenhänge auf.

05.04.2011
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Management, Management- und Führungskompetenzen, Selbstmanagement

1. Wer?, Wann?, Wo?

erschienen in: Manager Seminare Das Weiterbildungsmagazin. Heft 157, April 2011, S. 52 – 58, Autoren: Volker Kitz und Manuel Tusch

Dr. Volker Kitz: der studierte Jurist und Psychologe arbeitet heute als Anwalt und Coach in Köln und Berlin.

Dr. Manuel Tusch: der promovierte Psychologe hat eine psychologische Praxis in Köln und leitet dort das Institut für angewandte Psychologie (lfAP). Zudem ist er Lehrbeauftragter für Coaching an mehreren Universitäten mit den Schwerpunkten Karriereberatung, Wirtschaftsmediation, Konfliktmanagement, Führungskräfte-Entwicklung und Change Management.

Bekannt wurden die beiden Autoren durch den Spiegel-Bestseller „Das Frustjobkillerbuch“ 

2. Woher?, Wohin?, Warum?

 

 

Jährlich verschwinden immer mehr Menschen spurlos und beginnen ein neues Leben mit einer neuen Identität.

Dieses Phänomen zieht sich durch alle sozialen Schichten, von der Servicekraft bis zum Universitätsprofessor. Grund dafür ist das Gefühl nicht mehr Herr des eigenen Lebens zu sein, die persönlichen Entscheidungen (privat wie beruflich) nicht mehr selbst treffen zu können.

 

 

3. Was?, Wie?, Welche Ergebnisse?

 

Die Autoren erläutern, dass der Mensch, um glücklich und selbstbewusst zu sein, sog. „Selbstwirksamkeitserfahrungen“ benötigt, das heißt er möchte sich als aktiv-Handelnden erleben.

Soziale Zwänge verhindern diese Erfahrungen und sind damit die Hauptursachen des Marionetten-Syndroms.

Die meisten Zwänge erschließen sich dem Einzelnen nicht als solche, da sie als Vielzahl von Möglichkeiten gut getarnt sind. Je mehr Auswahlmöglichkeiten sich bieten, umso größer ist die Unzufriedenheit, da man stets bestrebt ist, die perfekte Wahl zu treffen („Paradox der Wahl“).

Das heißt: je mehr Entscheidungsfreiheit man hat, umso unglücklicher wird man letztlich; ist man unzufrieden wird man unsicher.

Die beiden Autoren machen deutlich, dass es die zunehmende Unsicherheit ist, die den Menschen dazu bringt, sich mehr und mehr an die gesellschaftlichen Zwänge zu klammern, die diese Unsicherheit erst verursacht haben.

Durch die zunehmende Fremdsteuerung beginnt die Selbstentfremdung, die schließlich dazu führt, dass der Einzelne auf die Frage „Was will ich?“ keine Antwort mehr hat.

Am schwierigsten wird dieses Problem im Berufsalltag. Der Arbeitnehmer soll heute nicht mehr nur einen guten Job machen, sondern zudem auch noch mit voller Leidenschaft und dem Willen zur Aufopferung Teil seines Unternehmens sein.

Studien jedoch belegen, so der Beitrag, dass eine Vielzahl der Beschäftigten (Tendenz steigend) „aktiv unengagiert“ ist. Grund hierfür ist die immer größer werdende Diskrepanz zwischen dem Anspruch des Unternehmens und der Realität.

Den eigentlichen Stress verursacht für den Einzelnen der gesellschaftliche Zwang, Spaß bei der Arbeit zu empfinden. Das Gleiche gilt für eine aktive Freizeitgestaltung.

Wer kein aktives und aufgefülltes Freizeitprogramm vorzuweisen hat, steht gesellschaftlich im Abseits.

Die Autoren betonen, dass ein ausgefülltes Berufs- und Privatleben allein jedoch nicht ausreichend sind.

Die Gesellschaft fordert zudem noch von jedem Einzelnen Selbstverwirklichung, wobei Kitz und Tusch betonen, dass Selbstverwirklichung nicht wirklich Selbstverwirklichung ist, sondern ebenfalls von außen suggeriert wird, wie das „Selbst“ eines jeden Einzelnen verwirklicht werden kann. Dabei ist ausschlaggebend, welcher gesellschaftlichen Gruppe (Geschlecht, Alter, Bildung, Herkunft etc.) man zugeordnet wird.

Sozialpsychologischen Experimenten zufolge strebt der Einzelne eine „Selbstverwirklichung“ hin zum Prototypen seiner gesellschaftlichen Gruppe an.

Fazit: die sozialen Zwänge, die sich über Jahre eingebrannt haben, bewirken eine gewisse Kontroll-Illusion, die nur schwer von der Selbstwirksamkeitserfahrung zu unterscheiden ist. Erst wenn man anfängt, die Kontroll-Illusion zu hinterfragen, hat man, so die Autoren, das Potenzial wirklich glücklich zu werden.

4. Für wen?, Unter welchen Bedingungen?

 

 

 

Der Artikel gibt einen ersten Überblick, wie gesellschaftliche Strukturen bzw. Zwänge funktionieren und warum.

Interessant ist der Beitrag für Führungskräfte, die ein Interesse daran haben, was ihre Mitarbeiter antreibt bzw. motiviert.

 5. Wie einzuschätzen?

 

 

Der Artikel ist interessant, da er dem Management Möglichkeiten aufzeigt, wie man Mitarbeiter motiviert, ohne dabei mit Zwängen und Druck zu arbeiten.

Der Text ist leicht lesbar und zahlreiche Fallbeispiele veranschaulichen die gemachten Thesen.