Management Development-Controlling

Laut Fabian Egger (Gewinner des Schmeller Preises 2005) besteht bezogen auf die Thematik Management Development-Controlling noch ein enormer Forschungsbedarf. Seine Arbeit stellt einen ersten Beitrag in diesem noch weitgehend unerforschten Themengebiet dar.

03.01.2006
Egger Fabian
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Personalcontrolling

1. Wer, Wann, Wo ?

Fabian Egger, Absolvent der Wirtschaftswissenschaften der Universität Bern. Lizentiatsarbeit Februar 2005: Management Development-Controlling, Konzeptionelle Grundlagen – Fallstudie – Gestaltungsempfehlungen.

2. Woher, Wohin, Warum ?

Ein weltweit tätiger Technologiekonzern mit Hauptsitz in der Schweiz führt zur Zeit ein neues Management Development-Modell ein, welches als strategisches Projekt mit zentraler Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit sowie für die Attraktivität als Arbeitgeber am internationalen Arbeitsmarkt der Ingenieure und Techniker gilt. Die Lizentiatsarbeit verknüpft das Management Development (MD) mit dem Personalcontrolling (PC), dabei wird MC-Controlling als ein Teilbereich des PC angesehen.

Das kognitive Ziel der Lizentiatsarbeit besteht in der Erarbeitung der konzeptionellen Grundlagen zum Thema MD und dessen Controlling, wobei der Schwerpunkt klar beim letztgenannten liegt. Folgende weitere Ziele liegen der Arbeit zu Grunde: Erstens eine Analyse des MD-Modells des Technologiekonzerns und die Erarbeitung praktikabler Instrumente zur Erfolgsmessung (Effektivität) aus einem strategischen und operativen Blickwinkel. Zweitens eine Verknüpfung anhand der Erkenntnisse aus dem Literaturstudium und der erarbeiteten Fallstudie, um einerseits allgemeine Gestaltungsempfehlungen zur Evaluierung eines MD-Modells zu formulieren und andererseits konkrete Handlungsempfehlungen für den Technologiekonzern zu erarbeiten.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Nach der Einleitung vermittelt der zweite Teil die theoretischen Grundlagen. Er beinhaltet die Abgrenzung des Begriffes MD und die Erläuterung einer MD-Konzeption bestehend aus Entwicklungsbedarfsermittlung, Planung und Durchführung der Entwicklungsmassnahmen sowie der Massnahmenevaluierung. Vor dem Hintergrund des Praxispartners erfolgt am Schluss dieses Abschnittes eine Umschreibung der Bestandteile eines MD. Anlehnend an das Konzept von Norbert Thom ordnet der Verfasser die einzelnen Bestandteile den bildungs- und stellenbezogenen Massnahmen zu.

Die Bedeutung und Entwicklung des Controlling-Gedankens wird anschliessend zuerst kurz skizziert, bevor auf den spezifischen Bereich PC und in einem noch späteren Schritt auf das MD-Controlling eingegangen wird. MD-Controlling beinhaltet aus der Sicht des Verfassers qualitative und quantitative Aspekte. Beim Erstgenannten soll eine Checkliste bestehend aus den KomponentenMD-Modell, Umsetzung/Ressourcen, Rekrutierung/Entwicklung, DatenbanksowieÜberprüfung/Optimierungein Controlling erlauben. Beim Zweitgenannten hilft ein aus einer Prozesskette abgeleitetes MD-Controlling-Modell bestehend aus Kennzahlen; Rückschlüsse auf die Effizienz und Effektivität eines MD zu ziehen.

Der dritte Teil "Fallstudie MD-Controlling" hat zum Ziel, das erarbeitete MD-Controlling-Modell konkret auf den Technologiekonzern anzuwenden und Gestaltungsempfehlungen aufzuzeigen. Forschungsmethode, Datenerhebungs-verfahren, -aufbereitung und -auswertung der Fallstudie werden erläutert. Der darauf folgende Abschnitt hat das MD des Praxispartners zum Inhalt. Konkret geht es darin um das bisherige MD des Technologiekonzerns, Auslösefaktoren für das neue MD und das zentrale MD-Modell des Unternehmens. Im Rahmen der empirischen Untersuchungen fliesst auch das MD und dessen Controlling eines weiteren grossen Technologiekonzerns in die Arbeit mit ein. Die gewonnen Erkenntnisse aus dem Benchmark finden Verwendung in der adaptierten Checkliste und den Gestaltungsempfehlungen. Grundlage für die Adaptierung bilden das erstellte MD-Modell des Praxispartners sowie die wissenschaftlich gewonnen empirischen Resultate der zwei untersuchten Unternehmen. Die wichtigsten Erkenntnisse werden im Teil IV, den allgemeinen und unternehmungsspezifischen Gestaltungsempfehlungen, zusammengefasst. Hervorgehend aus der Synthese von Theorie und Praxis gibt der Verfasser folgende vierallgemeine Gestaltungsempfehlungenab:

- Strategischeundoperative Messgrössen für ein MD-Controlling einsetzen

- Prozessorientiertes Denken für ein prozessorientiertes MD-Controlling fördern

- Keep it simple but not stupid (KISS)

- Kontinuität erreichen und relative Veränderungen messen.

Der letzte Abschnitt gibt einen zusammenfassenden Rückblick und stellt fest, dass bezüglich der Thematik MD-Controlling ein enormer Forschungsbedarf besteht und die Lizentiatsarbeit viele offene Fragen aufwirft, deren Behandlung für zukünftige Untersuchungen relevant und interessant erscheinen.

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Die Arbeit zeigt auf, wie ein Unternehmen die Effektivität des praktizierten MD mit einem vertretbaren Messaufwand überprüfen kann, wo Hindernisse zu sehen sind und in welchen Bereichen seitens der Theorie noch Forschungsbedarf besteht. Verantwortliche für MD in grossen Unternehmen und weitere sich interessierende Personen aus der Theorie und Praxis bilden das Zielpublikum.

5. Wie einzuschätzen ?

Einen grossen Praxisbezug und eine übersichtliche, klare Gliederung zeichnet die Lizentiatsarbeit aus. Das Vorgehen, von einer allgemeinen in eine immer spezifischere Sichtweise (Personalcontolling – Personalentwicklungscontrolling – Management Development-Controlling) überzugehen, bewährt sich. Kritisch hervorzuheben ist die fehlende Quantifizierung für finanzielle Grössen bezüglich des MD-Controlling des Praxispartners, was aber aufgrund einer schwierigen Abgrenzung (Fixkosten, Gemeinkosten, flexible Kosten…) wissenschaftlich sehr schwierig zu vollziehen ist. Die Arbeit stellt einen ersten Beitrag in einem noch weitgehend unerforschten Themengebiet dar und liefert daher wichtige Ansatzpunkte für weiterführende Forschungsfragen.

Management Development-Controlling.pdf

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