Virtuelle Unternehmen auf dem Prüfstand

Die Vorstellung der grenzenlosen Unternehmung erfährt seit mehr als 10 Jahren eine rege Diskussion. Dabei ist nach wie vor umstritten, ob es sich bei diesem Organisationskonzept wirklich um ein etabliertes Modell mit praktischer Relevanz handelt. Vorliegender Beitrag widmet sich der Analyse und Spezifizierung virtueller Unternehmensstrukturen und ermöglicht dem Leser ein systematisches Verständnis eines komplexen Strukturmodells, welches durch reale und virtuelle Elemente geprägt ist.

31.01.2006
Dr. Tobias Bernecker
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Virtuelle Organisation

1. Wer, Wann, Wo ?

Seit mehr als 10 Jahren beschäftigen sich Praxis und Wissenschaft mit virtuellen Unternehmen, d.h. mit der gemeinsamen unternehmerischen Geschäftstätigkeit in "grenzenlosen" Strukturen. Hierzu zählen beispielsweise das unternehmensübergreifende Projektgeschäft (z.B. IT-Solutions, Concurrent Engineering, Bauwirtschaft), Wertschöpfungspartnerschaften mit Lieferanten und Vertriebspartnern, Allianzen mit Konkurrenten, oder Franchisingsysteme. Umstritten ist allerdings, ob es sich bei diesem Organisationskonzept mittlerweile um ein bewährtes Modell oder nur um einen Mythos ohne wirklichen praktischen Nutzen handelt.

2. Woher, Wohin, Warum ?

Um diese Frage zu klären, ist ein erweitertes Verständnis von virtuellen Unternehmen erforderlich. Dabei zeigt sich, dass eine wichtige Arena in der Auseinandersetzung mit virtuellen Strukturen bislang vernachlässigt wurde: die Abklärung des "Reinheitsgrads" dieser Organisationsformen. In Anlehnung an medial gemischte Lernformen ("Blended Learning"), gemischte Vertriebsformen ("Brick & Click") sowie hybride Arbeitsformen (alternierende Telearbeit) beginnt sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass "real existierende" virtuelle Strukturen eher ein "hybrid-virtuelles" Wesen besitzen.

Diese hybrid-virtuellen Strukturen zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf einer oder auf mehreren der drei Virtualisierungsdimensionen Raum, Zeit und Institution nicht vollständig virtuell konstruiert sind, sondern auch einen "realen" oder "konventionellen" Strukturanteil besitzen.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Um hybrid-virtuelle Strukturen zu erfassen, ist eine Betrachtung erforderlich, die einerseits die den virtuellen Unternehmen zu Grunde liegenden Architekturformen näher spezifiziert (d.h. der Frage nachgeht, nach welchen unterschiedlichen Prinzipien reale und virtuelle Elemente kombiniert werden), andererseits aber auch die für virtuelle Unternehmen typischen Grundsätze der Zusammenarbeit präzisiert (d.h. typische Vertragsformen, Kooperationsleitlinien, "Spielregeln der Koopkurrenz" und Formen der Macht und Einflussnahme berücksichtigt). Um diese Fragen zuklären, ist es erforderlich, die betroffenen Akteure in einer Befragung zu Wort kommen zu lassen.

4. Für Wen, unter Welchen Bedingungen ?

Die Präzisierung des Charakters von hybrid-virtuellen Strukturen ist einerseits für selbst in einem virtuellen Unternehmen tätige Personen von großer Bedeutung, da sie eine detaillierte Überprüfung der Performance virtueller Unternehmen ermöglicht. Andererseits ist die Thematik aber auch für andere Interessierte an virtuellen Unternehmen von Belang.

5. Wie einzuschätzen?

Der Beitrag liefert Hinweise auf anstehende Herausforderungen in Praxis und Wissenschaft, wie sie sich aus der vertiefenden Beschäftigung mit virtuellen Unternehmen ergeben.

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