Steigerung des intellektuellen Kapitals durch Integriertes Wissensmanagement

Die steigenden Herausforderungen an die Unternehmen und Organisationen führen im globalen Wettbewerb aufgrund vorhandener Komplexität und Dynamik zu zunehmendem Konkurrenz- und Kostendruck. Erfolgreiches Agieren kann nur über wissensorientierte Strategien gewährleistet werden, in denen die Mitarbeiter eine entscheidende Rolle spielen. Wissen ist mehr als die Anhäufung von Daten und Informationen. Hartmut Binner erläutert im folgenden Beitrag sein Konzept zum Integrierten Wissensmanagement.

19.02.2008
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Organisationsentwicklung

1. Wer, Wann, Wo ?

Prof. Dr.-Ing. Hartmut F. Binner ist Autor zahlreicher Beiträge und Grundlagenwerke zu den Themen Organisations- und Prozessgestaltung sowie Wissensmanagement. Nach mehrjähriger leitender Tätigkeit in der Industrie, ist er seit 1978 Professor an der FH Hannover, dort zuständig für den Studienschwerpunkt "Integriertes Organisations- und Prozessmanagement". 2005 erfolgte die Gründung des Bildungsinstituts "PROF. BINNER AKADEMIE", das sich aus der 1994 gegründeten "Dr. Binner Consulting & Software" entwickelte.

2. Woher, Wohin, Warum ?

Der Paradigmenwechsel von der Funktionsorientierung zur Prozessorientierung wird durch Wissensmanagement unterstützt, wenn nicht gar erst ermöglicht. Viele Wissensmanagementprojekte der Vergangenheit blieben jedoch erfolglos.

Häufig wird der Wandel zur Prozessorganisation nicht konsequent verfolgt bzw. umgesetzt, was den Wissensaustausch und die Wissensnutzung in hierarchisch gewachsenen, tief gestaffelten Organisationsstrukturen und der damit verbundenen Bürokratie stark erschwert. Die Folge ist, dass derzeit kaum erfolgreiche Wissensmanagementprojekte in den Organisationen durchgeführt werden.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Um dem übergeordneten Ziel des wandlungsfähigen Unternehmens ein stück näher zu kommen, wird das Wissensmanagement als Strategie- und Führungsinstrument etabliert und mithilfe eines Vorgehensmodells mit drei aufeinander aufbauenden Analyse- und Gestaltungsebenen mit jeweils vier Schritten entwickelt, das pragmatisch und ökonomisch mit den Mitarbeitern als Wissensträger die Entwicklung und Nutzung von Wissen ermöglichen soll.

Herausragendes Kennzeichen dieses Vorgehensmodells ist die dynamische Entstehung einer organisationalen Wissensbasis, die sich durch das intellektuelle Kapital der Beteiligten aufbaut und über individuelle sowie kollektive Lernprozesse kontinuierlich weiterentwickelt. Die Entwicklung und Einführung eines prozessorientierten Wissensmanagementsystems erfolgt in 12 Schritten und wird im Folgenden als Wissensframework "House of Process Knowledge" bezeichnet.

Die Mitarbeiter verändern bei der täglichen Prozessdurchführung, aber auch bei der vorgeschriebenen Einführung von Ordnungsrahmen und Regelwerken anhand der vorgegebenen Meta-Wissensstruktur über individuelle und kollektive Lernprozesse die organisationale Wissensbasis. Das Management ist dabei gefordert, die integrierte Prozess- und Wissensstrategie so zu vermitteln, dass alle Wissensprozesse bzw. Aktivitäten wie Wissensidentifikation, -erwerb und -entwicklung, durch die Vorgabe von Regelungen und Prinzipien so in die Prozessdurchführung integriert werden, dass kein zusätzlicher Aufwand für die Entwicklung und Einführung eines Wissensmanagementsystems entsteht. Die Mitarbeiter wissen dabei häufig gar nicht, dass sie über ihr Handeln und die Dokumentation ihres Erfahrungs- und Fachwissens kontextbezogen einen herausragenden Wissensmanagementaufbau betreiben.

Ganz entscheidend ist dabei, dass das aktuelle Wissen der Stelle im Prozessablauf zugeordnet wird, an der es auch tatsächlich benötigt wird. Hier kann es dann aktuell von den zuständigen Mitarbeitern in der notwendigen Tiefe und Detaillierung weiter gepflegt werden. Über den Einsatz semantischer Suchpfade innerhalb eines Wissensmanagementportals wird dieses Wissen dann für die Nutzung allen Beteiligten zur Verfügung gestellt.

4. Für Wen, unter Welchen Bedingungen ?

Der Beitrag eignet sich für interessierte Leser, die sich direkt oder indirekt mit dem Wissensmanagement in ihrem Unternehmen beschäftigen. Daneben eignet sich dieser Beitrag sowohl für Mitarbeiter in Großunternehmen, als auch für Beschäftigte, die in KMU's oder in der Öffentlichen Verwaltung, im Gesundheitswesen oder sonstigen Organisationen mit dem Wissensmanagement betraut sind.

Über die Langfassung zu diesem Beitrag können sich interessierte Leser einen detaillierteren Einblick in das Konzept des Integrierten Wissensmanagements verschaffen.

5. Wie einzuschätzen ?

Wissen ist in dem Moment wert- und nutzlos, wo es in Form einer unstrukturierten Wissensanhäufung, d. h. eben nicht kontextbezogen bereitgestellt wird. Das hier erläuterte Vorgehensmodell ermöglicht die professionelle, prozessorientierte Strukturierung und Nutzung der organisationalen Wissensbasis.

Das Vorgehensmodell zur wissensbasierten Unternehmens- und Prozessentwicklung und -gestaltung wird ausführlich in dem von Prof. Binner verfassten Buch: "Pragmatisches Wissensmanagement – Systematische Steigerung des intellektuellen Kapitals", erschienen in der REFA-Fachbuchreihe "Unternehmensentwicklung" des Carl Hanser Verlags 2007, ISBN 978-3-446-41377-1, erläutert und führt unter der Berücksichtigung der derzeitigen Herausforderungen an Organisationen im Ergebnis zu einer ökonomischen und bedarfsgerechten, d. h. kontextbezogenen Wissensbereitstellung.

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