Keuper, Frank/Oecking, Christian (Hrsg.) (2008): Corporate Shared Services: Bereitstellung von Dienstleistungen im Konzern.

Der in zweiter Auflage vorliegende Sammelband vereint zahlreiche konzeptionelle und praxisorientierte Beiträge zum Rahmenthema Corporate Shared Services, mithin der bereichsübergreifenden Bereitstellung von Dienstleistungen in Unternehmen. Angesprochen werden in erster Linie Leser aus der Praxis, die wertvolle Anregungen zur Gestaltung von Shared Services erhalten.

28.07.2008
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Konzern- und Führungsorganisation

1. Wer, Wann, Wo ?

Bei den Herausgebern handelt es sich um Frank Keuper, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Konvergenz- und Medienmanagement an der Steinbeis-Hochschule Berlin, und Christian Oecking, Leiter IT-Outsourcing Global und Mitglied der Geschäftsleitung der Siemens Business Services GmbH & Co. OHG. Das Buch ist in zweiter Auflage im Gabler-Verlag erschienen, umfasst rund 500 Seiten und kostet € 54,90 (Hardcover).

2. Woher, Wohin, Warum ?

Das Thema der Shared Services ist zwar nicht mehr ganz neu, dennoch aber zweifellos noch immer sehr aktuell. Vor dem Hintergrund stetig zunehmenden Wettbewerbs- und Kostendrucks beleuchten die in dem Band versammelten Autoren unterschiedliche Facetten von Shared Service-Organisationen und zeigen Beispiele in der Praxis implementierter Lösungen auf.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Der Sammelband ist in sechs Teile gegliedert, die jeweils inhaltliche Akzente setzen. Im ersten Teil geht es um eine Bestandsaufnahme und hier zunächst um "Shared IT-Services im Kontinuum der Eigen- und Fremderstellung". Shared Services werden dabei als hybride Organisationsform zwischen Eigen- und Fremdfertigung eingeordnet, was sich sicherlich hinterfragen lässt. Etwas überrascht hat an dieser Stelle ferner die Fokussierung auf das Beispiel der IT Services, die sich auch im zweiten Beitrag des ersten Teils findet. Eine funktional weniger spezialisierte Einführung würde den Eindruck vermeiden, dass es sich eigentlich um einen Band über Shared IT Services handelt.

Der zweite Teil des Buches widmet sich strategischen Fragen wie etwa einer Analyse des zugrundeliegenden Geschäftsmodells, der Kernkompetenzfokussierung und einer Untersuchung aus Sicht der Transaktionskostentheorie. Dabei werden grundlegende Vorteile der Einrichtung von Shared Service Center in Konzernen untersucht und in ihrer Strategierelevanz beleuchtet. Es zeigt sich, dass Shared Services weniger eine vorübergehende Mode als vielmehr eine strategisch bedeutsame Organisationsform markieren, mit der sich jedes größere Unternehmen auseinandersetzen muss. Dass damit aber immer wieder auch 'altbekannte' Fragen der Zentralisation von Aufgaben bzw. Kompetenzen verbunden sind, wird spätestens im letzten Aufsatz des zweiten Teils deutlich, der sich der Frage widmet, welche Aufgaben eines M&A-Prozesses sich für eine zentrale Zusammenfassung eignen und welche Entscheidungskompetenzen entsprechende Zentralbereiche erhalten sollen. Ein insgesamt aufschlussreicher Buchteil, der als "Strategische Grundlagen" durchaus auch einen gelungenen Auftakt für den Sammelband markiert hätte.

Der dritte Buchteil ist Fragen des Controllings gewidmet. In fünf Einzelbeiträgen wird untersucht, ob die Einrichtung von Shared Service Center eine lohnende Investition darstellt, wie ein Controlling dieser Bereiche die interne Kundenorientierung verbessern kann, welchen Beitrag Shared Service Center zum Wertmanagement liefern und welche Ergebnisse eine Kosten-/Nutzenbetrachtung von Corporate Shared Services liefert. Auch in diesem Buchteil erhält der Leser eine Fülle von Anregungen, beispielsweise zur Messung von Einsparpotenzialen mit Hilfe der Prozesskostenrechnung. Der letzte Beitrag in diesem Teil schlägt mit der Betrachtung von Security-Aspekten eine andere, wenn auch für sich durchaus interessante Perspektive ein.

Unter der Überschrift "Service Management" werden drei weitere Beiträge zum vierten Buchteil zusammengefasst. Sie beleuchten so unterschiedliche Themen wie Shared Content Services in einem Medienunternehmen, Shared Personal Service Center und die Initiierung eines Global Production Centers.

Mit sieben Artikeln bildet der fünfte Teil den umfangreichsten Teil des Buches. Er umfasst unter der Bezeichnung "Organisational Management and Change Management" Beiträge zur aufbauorganisatorischen Verankerung von Service Centern sowie zu verschiedenen Fragen des Change Managements in Shared Service Center-Projekten.

Die Herausgeber bieten im letzten Teil eine kurze Einordnung des bisherigen Standes sowie einen Ausblick auf mögliche weitere Entwicklungen von Shared Service Center.Ein Autoren- sowie ein Stichwortverzeichnis runden den Band ab. Ein Gesamtliteraturverzeichnis gibt es leider nicht.

4. Für Wen, unter Welchen Bedingungen ?

Primäre Zielgruppe des Buches sind Praktiker, die als Manager oder Berater mit der Organisation zentraler Services in Berührung kommen. Aber auch Dozenten und Studierende aus den Gebieten Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik können von dem Band profitieren.

5. Wie einzuschätzen ?

Shared Services haben nichts von ihrer Aktualität verloren und es besteht nach wie vor ein großer Informationsbedarf hinsichtlich der konzeptionellen Grundlagen der Gestaltung entsprechender Bereiche als auch an Best Practice-Beispielen. Hierzu liegen auch bereits zahlreiche Publikationen vor, bis hin zu den Grundlagen der Zentralbereichs-Organisation. Dennoch vermag es der vorliegende Band, ganz unterschiedliche Autoren zusammenzubringen, die aus verschiedenen Perspektiven einen Beitrag zur Aufarbeitung des Themas leisten. Die Gefahren des Sammelbandes bestehen dabei vor allem darin, dass ein roter Faden nicht erkennbar wird und dass Redundanzen zwischen den Beiträgen auftreten. Beide Probleme sind auch bei dem vorliegenden Band nicht ganz von der Hand zu weisen. Dennoch zeigt sich, dass der Leser insgesamt eine Fülle an Informationen und wertvollen Anregungen erhält, die eine fundierte Auseinandersetzung mit der Thematik erlauben. Die Investition in das Buch lohnt sich somit.